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Sprache und Flugtickets

Sprache und Flugtickets

Bin ich basic? Bin ich smart?

Eine bekannte deutsche Fluggesellschaft, die im Niedrigpreis-Angebot mitspielt, setzt nun auch wie andere Anbieter auf unterschiedliche Flugtarife. Passagiere können wählen, ob sie mit oder ohne Beinfreiheit fliegen, hungern oder ein Sandwich essen, Tomatensaft trinken oder nicht trinken, Extra-Bezüge auf ihrem Sitz haben oder nicht, ihren Koffer einfach einchecken oder für dessen Transport online Gebühren zahlen (wer es online verpasst, kann es am Flughafen für den doppelten Preis nachholen) usw. usw.. Da lohnt sich ein kühler Kopf und mathematisches Basiswissen, um den für den eigenen Geldbeutel optimalen Tarif herauszufinden. Apropos „Basis“: Bei meinem letzten Flug habe ich den Basic-Tarif gebucht. Ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, „smart“ zu sein. Oder sogar „best“. Nun war ich aber nur basic, denn mein Streben ist es, günstig zu fliegen. Die Hintergründe interessieren mich dann kaum. Außerdem drückt basic ja auch in gewisser Weise aus, dass die grundlegenden Voraussetzungen für einen sicheren und entspannten Flug garantiert sind. Die Frage, ob es clever war, basic zu sein, stellte sich mir das erste Mal bei dem Koffertransport, das zweite Mal beim Vorüberrollen des Servicewagens, der – anders als sonst – bei mir nicht stehen blieb. Kein Lächeln von der Stewardess und auch nicht die Frage, ob ich zum Kaffee noch ein Erfrischungsgetränk möchte. Anders der Herr hinter mir. Der war smart und bekam das Lächeln, das Sandwich, den Kaffee und auch den Tomatensaft. Zu meinen basic-Gefühlen äußere ich mich nicht. Nur soviel: Mein geschnippelter Apfel aus der roten Brotdose hat mir nicht geholfen. Kommen wir nun zum sprachlichen Höhepunkt der Flugtarife: Best-Tarif. Best bedeutet die ersten drei Sitzreihen, unendliche Beinfreiheit, warmes Essen, Getränke satt,  Kuschelsitz usw.. Best würde ich nicht sein wollen. Wenn die basics an einem vorbeigehen, kann man sich nicht gut fühlen. Hat was von Titanic. Best waren übrigens auch die Preise in der Cafeteria des Düsseldorfer Flughafens, wo wir einen Zwischenstopp hatten. Da kauften sich die hungrigen basics nämlich ein schlechtes Sandwich zu best-Tarifen.    

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin | Korrektorat & Texte

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