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Wundersamer Ortswechsel – Teil II

Wundersamer Ortswechsel – Teil II

Vor einigen Wochen ging es an dieser Stelle um Möglichkeiten, Schreib- oder Kreativblockaden zu überwinden. Vorgeschlagen wurde der Ortswechsel, der oft ungeahnte Energien freisetzt und Kreativen beeindruckende Höhenflüge beschert.

 

Die Resonanz auf jenen Blog war gewaltig. Texter, Übersetzer und Lektoren konnten auf durchweg positive Ortswechsel-Erfahrungen zurückblicken. Von Badewanne über Parkbank, Café und Kinderzimmer bis hin zur Uni-Mensa wurde alles genannt. Mich selbst überraschte die Anzahl der genannten Orte, so dass ich heute dieses Thema gerne noch einmal aufgreifen möchte. 

 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein wichtiges Kriterium beim Ortswechsel die neuen visuellen und auditiven Eindrücke sind, die Blockaden und Tiefgefrorenes freilegen bzw. auftauen können. Ein Texter beschreibt in diesem Zusammenhang die in Werbeagenturen noch heute existierenden „Texter-Kabinen“, die während des Arbeitsprozesses Ablenkungen vermeiden und schnelles, effizientes Texten ermöglichen sollen. Ob vier Wände zu explodierenden Slogans über die neue Nuss-Nougat-Creme führen, ist dabei eine simple und dennoch berechtigte Frage. Hier würden wohl eher die Räume eines Kindergartens morgens um neun weiterhelfen.

 

Weiterhin beschreibt ein Lektor auf humorvolle Weise, wie der Gang zum Kühlschrank seine Arbeit am Text immer wieder behindert. Nicht, dass er Hunger hätte. Die immer gleiche Umgebung bringe manchmal seinen literarischen Geist zum Stillstand, wodurch sich Frust und Unzufriedenheit ausbreite. Für kurzzeitige Besänftigung des Gemüts sorge dann die Schokolade im Kühlschrank – wie auch für einige Kilos zuviel auf der Waage. Verlässt er seine gewohnte Umgebung, öffnen sich neue Türen für den zu lektorierenden Text und Gedanken an mögliche Kühlschranke und deren Inhalte lösen sich auf. Das Abnehmen, meint er, würde allerdings nicht so leicht sein.

 

Wer das Leben um uns herum mit kreativer Arbeit bereichert – ob Text, Lied, Skulptur oder Bild – muss auf Erlebtes zurückgreifen und die mit dem Erlebten verknüpften Emotionen in den darzustellenden Kontext neu einbinden. Hierfür benötigen Kreative all ihre Sinne, die durch die hier beschriebenen Ortswechsel, aber auch durch einfaches Spielen geöffnet werden können. 

Dann kommen an dieser Stelle wohl die aktuell in Agenturen eingesetzten Pezzibälle zum Einsatz. Hab ich auch einen in meinem Büro.

 

 

Christine Wolter

staatl. gepr. Übersetzerin

Korrektorat & Texte

Written by editor