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Mehrsprachigkeit

Mehrsprachigkeit

Sprachliche Überraschungen

Die Diskussion um Mehrsprachigkeit und „Sprachen ohne Grenzen“ läuft auf allen Portalen. Unzählige Konferenzen beschäftigen sich mit diesem Thema und beleuchten wissenschaftliche, wirtschaftliche, bildungspolitische und pädagogische Aspekte des Fremdsprachenlernens. Selbst der Begriff „Fremd“ in dem Wort „Fremdsprache“ wird hinterfragt, da die Welt immer enger zusammenrückt und die Notwendigkeit des frühen Fremdsprachenlernens in den Vordergrund rückt.

Das Goethe-Institut kümmert sich weltweit um die Vermittlung der deutschen Sprache. Nach einem kurzen Blick auf die Homepage des altehrwürdigen Institutes ist Fremdsprachenlernen nicht mehr das, was es zu meiner Schulzeit noch war: Fremde Klänge in den Köpfen der Schüler, die mit hochrotem Kopf versuchen, auf die Frage nach ihrem Namen und ihrem Alter die richtige Antwort zu finden. Vokabeln büffeln. Grammatikalische Konstruktionen auswendig lernen. Brieffreunden in England mit Hilfe der Eltern einen kurzen Brief schreiben. Heute ist das anders. Didaktische Supermethoden gehen um die Welt.  

Es ist schon bewundernswert, wie Kinder und Jugendliche heutzutage mit 2, 3 oder mehr Sprachen jonglieren. Erwachsene ziehen vor den Zwergen den Hut und wissen, dass der Zug für ihr eigenes Fremdsprachenlernen längst abgefahren ist. Die dem Menschen innewohnende kognitive und gedankliche Mobilität schenkt nur Kurzbeinigen die Möglichkeit, eine Sprache „spielerisch“ zu lernen. Natürlich mit Ausnahmen, wie echte Sprachtalente immer wieder beweisen.

Doch diese um sich greifende Mehrsprachigkeit kann zu echten Überraschungsmomenten führen.

Szene I:

Ein siebenjähriges deutsches Mädchen trifft ein siebenjähriges mallorquinisches Mädchen auf einer mallorquinischen Llaut und versucht, mit Händen und Füßen zu fragen, ob das mallorquinische Mädchen mit ins Wasser kommt. Das mallorquinische Mädchen lächelt ganz bezaubernd und antwortet auf akzentfreiem Deutsch, dass sie dazu Lust hätte. Das Instituto Alemán auf Mallorca macht es möglich. Und das deutsche Mädchen zieht die wild gestikulierenden Arme zurück.

Szene II:

Zwei fünfzehnjährige deutsche Mädchen unterhalten sich auf derselben Llaut über die unglaublich schönen Augen eines fünfzehnjährigen mallorquinischen Jungen und spekulieren gackernd über Möglichkeiten eines deutsch-mallorquinischen Verkupplungsversuches. So rot kann nicht einmal die untergehende mallorquinische Sonne werden wie die Gesichter der Mädchen. Jaume geht auf das gleiche Instituto. Dumm gelaufen.

Und ich weiß nicht, was in diesen Szenen nicht zusammenpasste.

 

Christine Wolter
staatl. gepr. Übersetzerin
Korrektorat & Texte

 

Written by editor