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Hieronymus – Übersetzer mit Temperament

Hieronymus – Übersetzer mit Temperament

Sophronius Eusebius Hieronymus (* 347 in Stridon, Provinz Dalmatia; † 30. September 420 in Betlehem) war Kirchenvater, Heiliger, gelehrter und Theologe der alten Kirche.  

Und er war Übersetzer. Wie man liest, ein eifriger Übersetzer mit ausgeprägtem Temperament, welches seine Gesprächspartner bei hitzigen Debatten zu linguistischen Fragen oftmals zu spüren bekamen. War jemand anderer Meinung als er, kam das für Hieronymos einer Beleidigung gleich. Offene Kritik an seiner Arbeit zwang ihn ein ums andere Mal zur überstürzten Abreise. Als Verfasser der Vulgata, der lange Zeit maßgeblichen Bibelübersetzung der katholischen Kirche, und Experte des klassischen und zeitgenössischen Lateins, des Griechischen sowie Hebräischen ist ihm das eine oder andere Lob zu seiner Übersetzer-Tätigkeit wohl etwas zu Kopf gestiegen und die Fähigkeit zur Selbstkritik reduzierte sich bei ihm auf ein Mindestmaß.

Seine zahlreichen Übersetzungen und literarischen Arbeiten haben Hieronymus zum Schutzpatron der Übersetzer werden lassen. Lange Jahre lebte er als Einsiedler in der Wüste – eine Arbeitssituation, welche den heutigen Übersetzern nicht fremd ist. Auch sein nichtlinearer Lebenslauf und sein ständiger Wechsel zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen sind weitere Parallelen zum Übersetzerdasein, wie wir es heute kennen.

Der Todes- und Namenstag von Hieronymus ist der 30. September. An diesem Tag wird jährlich der Internationale Übersetzertag gefeiert, der 1991 von der Fédération internationale des traducteurs (FIT) gegründet wurde. 

Dieses Jahr lädt der Verein Weltlesebühne (http://www.weltlesebuehne.de/) anlässlich des internationalen Übersetzertags in 32 Städten weltweit zu rund 40 Veranstaltungen rund um das Übersetzen ein. Hier soll das Veranstaltungsformat des „Gläsernen Übersetzers“ Einblick in die Tätigkeit des Literaturübersetzers geben. Verschiedene Übersetzer arbeiten öffentlich an einer Übersetzung, machen ihre Überlegungen transparent und stellen Entscheidungen zur Diskussion.  Laut Martina Kempter und Gabriele Leupold, Vereinsvorsitzende der Weltlesebühne, sind in diesen Veranstaltungen Ideen, Vorschläge und Kritik aus dem Publikum willkommen…

Für Hieronymus wäre das ja schon mal nichts. 

 

Christine Wolter
staatl. gepr. Übersetzerin
Korrektorat & Texte

 

Written by editor