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“Esta é nossa língua!” “Das is unsere chprooch!”

“Esta é nossa língua!” “Das is unsere chprooch!”

Riograndenser Hunsrückisch

Über die Auswanderung der Wörter konnten wir an dieser Stelle ja bereits etwas lesen. Heute geht es um einen nach Brasilien ausgewanderten Dialekt aus dem Hunsrück, der sich in einigen Regionen des vieldiskutierten WM-Landes derart heimisch fühlt, dass er den Aufstieg in die 1. Liga geschafft hat: Das Riograndenser Hunsrückisch ist in einigen Orten Brasiliens zur zweiten Amtssprache gekürt worden.

Annähernd zwei Millionen Menschen sprechen in Brasilien das Riograndenser Hunsrückisch. Zu finden ist dieser Dialekt, der sich aus Teilen des um Morbach, Idar-Oberstein, Rheinböllen, Simmern und Kastellaun gesprochenen “Hunsrücker Platts” zusammensetzt, vor allem in den Orten, die von deutschen Einwanderern gegründet wurden.
Der Regisseur Edgar Reitz beschreibt in seiner bekannten „Heimat“-Trilogie das Schicksal der Hunsrücker Auswanderer, die zwischen 1823 und 1862 nach Brasilien aufbrachen, um dort ein neues Leben zu beginnen. 

Im Jahr 2004 bildete sich in Brasilien die Initiative „Option für Hunsrückisch“, die eine neue, dem Portugiesischen angepasste Orthographie des Dialektes entwickelte und somit eine Stärkung der Sprache und ihre Weitergabe an die nachfolgenden Generationen sichern konnte. So findet in den Grundschulen der Gemeinde Santa Maria do Herval in Rio Grande so Sul der Unterricht mittlerweile auf Hunsrückisch statt, in mehreren Lokalzeitungen gibt es eine eigene Hunsrückseite, drei lokale Radiosender bringen verschiedene Sendungen auf Hunsrückisch und selbst der katholische Pastor der Gemeinde predigt im Dialekt und motiviert seine Schäfchen, ihrer Sprache treu zu bleiben. 

Seit der Initiative „Option für Hunsrückisch“ steigt in Brasilien die Toleranz gegenüber den zahlreichen Dialekten aus der Einwanderungsphase. Mittlerweile verzeichnet sich sogar ein Trend, auch andere Sprachen, die aus der Einwanderung hervorgingen, in bestimmten Gemeinden als zweite Amtssprache zu verwenden. Bei aller Problematik bleibt Brasilien also ein kunterbuntes Land mit gutem Fußball und nun auch sprachlicher Experimentierfreude.

Christine Wolter
staatl. gepr. Übersetzerin
Texte & Korrektorat     

Written by editor