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Oh Herr, bitte gib mir meine Sprache zurück

Oh Herr, bitte gib mir meine Sprache zurück

Die wundersamen Wege des Denglischen

Die Wise Guys bringen es mit ihrem Song auf den Punkt: Ob Werbe-, Marketing-, Design- oder andere Profis – sie alle zeigen Mut zur denglischen Mixtur. Unlängst saß ich mit einem alten Freund beim Kaffee zusammen und er erzählte mir von seinem neuen Marketing-Job. Obwohl der Unternehmenswelt nicht fern, habe ich nicht gänzlich verstanden, wie sein Arbeitsalltag aussieht. Drei Wochen in der Vertriebs- oder Marketingabteilung eines Unternehmens reichen aus, um zahlreiche Begriffe aus dem Englischen in seinen persönlichen Sprachgebrauch zu übernehmen. 

Und auch in der Alltagssprache findet das Denglische seinen festen Platz. Die Wise Guys verbraten in ihrem Lied Beispiele wie

Du versuchst, mich upzudaten, doch mein Feedback turned dich ab.
Du sagst, dass ich ein Wellness-Weekend dringend nötig hab.
Du sagst, ich käm’ mit Good Vibrations wieder in den Flow.
Du sagst, ich brauche Energy. Und ich denk: “Das sagst du so…”

… und wünschen sich im Refrain doch nur eins: Oh Herr, bitte gib mir meine Sprache zurück. Gegen Ende des Liedes mutiert diese Bitte allerdings zu „Oh Lord, please gib mir meine Language back“.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass der konsequente Gebrauch von Anglizismen in der Werbesprache eher kontraproduktiv ist. Bei den meisten Konsumenten fehlt das Verständnis für und die emotionale Bindung zu den Slogans. Sprachpuristen verfolgen oft die harte These, dass Unkenntnisse bezüglich der eigenen Sprache den sinnlosen Gebrauch von Anglizismen und damit die Spezies der „Sprachpanscher“ fördern. Fällt den Werbetextern vielleicht auf ihrer eigenen Sprache nichts mehr ein?

Und ein weiteres Mal scheint es um das richtige Maß zu gehen. Anglizismen bereichern ohne Frage unsere Sprache, aber sie sollen uns nicht in die Verzweiflung stürzen:

Oh Lord, please gib mir meine Language back,
ich krieg hier bald die crisis, man, it has doch keinen Zweck.
Let us noch a word verstehn, it goes me on the Geist,
und gib, dass “Microsoft” bald wieder “Kleinweich” heißt.

 

Christine Wolter
staatl. gepr. Übersetzerin
Texte & Korrektorat      

Written by editor